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Dakar

 
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Juergen0403
Suchender
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Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 22.03.2009
Beiträge: 86


Wohnort: Sonneborn / Thüringen
Offline

BeitragVerfasst am: 02.12.2011 20:40    Titel: Dakar Antworten mit Zitat

Die letzten Stunden war nicht viel zu sehen, über den Wolken ist der Himmel blau und unten sind die Wolken weiß. Ab und zu eine Lücke und darunter eine beige-braune Landschaft.
Jetzt geht es abwärts, etwas zu schnell, ich spüre den Druck in den Ohren aber vielleicht gewöhnt man sich daran wenn man öfter fliegt.
Das Essen bei Brussels Air war besser als ich es erwartet hatte nur so kleine Bierdosen hatte ich vorher noch nie gesehen allerdings gibt es anscheinend keine Mengenbegrenzung. Jedesmal wenn ich die Dose auf die linke Seite in Richtung Gang stelle fragt eine freundliche Stewardesse ob ich noch eines möchte.
Wir sind unterhalb der Wolken und Dakar ist zu sehen, ich denke abgesehen vom Meer kännte das auch Bucuresti sein.
Auf den Monitoren in der Maschine erscheinen abwechselnd die wichtigsten Daten. Während des Fluges die zurückgelegte Strecke und was noch übrig ist, Uhrzeit am Start- und Zielort, Außentemperatur, Flughöhe Geschwindigkeit in Französich, Englisch und Flaams, dazwischen Landkarten die anzeigen wo wir gerade sind. Am Boden ist die Temperatur 29°, nicht besonders aufregend, vor ein paar tagen hatte ich in Rumänien noch 37°. Allerdings ist es in Rumänien warm und trocken und sofort beim Aussteigen spüre ich was warm und feucht für einen Unterschied macht.
Das Flughafengebäude sieht aus wie ein Bahnhof in Osteuropa, grau und nicht gerade einladend. Die Adresse des Hotels war in meiner Reisetasche und als der Zöllner nach meinem Aufenthaltsort fragte fiel mir der Name nicht ein aber er war mit Yoff zufrieden.
Auf dem Gepäckband kam alles Mögliche nur nicht meine Tasche. Die Zeit nutzten ein paar Kofferkulis um mir ihre Dienste anzubieten. Ich erklärte ihnen, daß ich noch nicht zu alt sei um meine Tasche selbst zu tragen. Das haben sie auch akzeptiert oder zumindest eingesehen, daß es eine Beleidigung wäre sich aufzudrängen.
Noch vor dem Ausgang warteten die Geldwechsler wie die Aasgeier auf die Touristen aus Europa, allerdings war das in den meisten Fällen umsonst. Ich hatte ein paar Euros und Traveller-Cheques und nicht die Absicht jemand zu einem guten Geschäft zu verhelfen.
Außer Kofferkulis und Geldwechslern sind da noch Leute die einem zum Taxi bringen, die Stadt oder das ganze Land zeigen wollen. Nicht zu vergessen die Telefonkartenverkäufer, man könnte für ein ganzes Leben Telefonkarten kaufen. Natürlich bringe ich jede Menge Eindrücke von hier mit, vielleicht auch ein paar Souvenirs aber das war nicht der Zweck dieser Reise.
Irgendwo in dem Durcheinander war auch ein Taxifahrer der mich abholen sollte, was ich aber nicht wußte und offensichtlich bin ich ihm auch nicht aufgefallen trotzdem außer mir fast niemand weiß war.
Nachdem ich in aller Ruhe meine erste Zigarette nach sieben Stunden geraucht hatte ließ ich mir doch ein Taxi besorgen.
Keur Mouna hieß das Hotel, was dem Taxifahrer aber nichts sagte. Er fragte aber nach der Telefonnummer um anzurufen und sich den Weg erklären zu lassen. Es war nicht besonders schwer zu finden aber als wir dort waren mußte ich es ihm sagen damit er nicht daran vorbeifährt. Na ja, er konnte nicht so wie ich dreißig Jahre Erfahrung im Suchen fremder Adressen haben, dazu war er einfach zu jung und die entsprechende Nachsicht schien mir angebracht.
Alain, mit ihm hatte ich wegen der Resevierung telefoniert, war sofort zur Stelle um mir mit dem Gepäck helfen zu lassen was ich aber nicht zulassen konnte, ca. vierzig Kilo am Stück erschienen mir für das Mädchen zu schwer. Wie schon beim Zoll ging die Anmeldung sehr schnell und Alain erklärte mir, daß das Zimmer das er mir angeboten hatte belegt sei aber es gäbe noch zwei freie Zimmer die er mir gern zeigen würde.
Ich hatte die Wahl zwischen einem Zimmer mit Ventilator und Bad auf dem Flur für 580,- Euro oder Klimaanlage, Ventilator und Bad im Zimmer für 720,- Euro. Angesichts des Klimas entschied ich mich für die Klimaanlage. Die Preise sind für zwölf tage mit Vollpension wobei leider die Bar nicht eingeschlossen ist.
Das Wort Komfort hat hier offensichtlich eine andere Bedeutung als in Europa. Es scheint alles etwas schmuddelig, wer in dieser Beziehung empfindlich ist sollte sich lieber ein anderes Hotel suchen. Wem es darum geht dieses Land und die Leute kennen zu lernen der ist hier aber sehr gut aufgehoben.
Die Idee warmes Wasser zum duschen zu haben hat sich sofort erledigt als ich sah, daß es nur eine Wasserleitung gibt die sowohl Waschbecken und Toilette als auch die Dusche versorgt. Bei diesem Klima ist eine Abkühlung aber ganz angenehm.
Die Tür vom Zimmer zur Dusche schließt nicht. Gut, dann bleibt sie eben auf, dann ist das Bad auch klimatisiert.
Auf der anderen seite der Straße ist eine große Freifläche die fast komplett mit Müll bedeckt ist. Ein paar Leute suchen nach irgendetwas brauchbarem, andere kommen mit Pferdewagen oder etwas das vor langer Zeit ein Auto war und laden ihren Müll ab. Bauschutt, Altmetall, Papier oder Kuststoff, alles Dinge die sich wiederverwerten lassen aber hier ist Afrika. Ich habe mir sagen lassen, daß es hier noch relativ gut aussieht.
Hinter der Müllhalde ist der Friedhof, der zumindest von hier aus gepflegt aussieht.
Man muß nicht unbedingt in diese Richtung sehen, weiter rechts führt die Straße direkt zum Meer, es sind nur ein paarhundert Meter. Die Straße ist geteert aber das sieht man nur an den Fahrspuren der Autos, ansonsten ist hier alles von Sand bedekt den der Wind vom Strand herbringt.
Das einheimische Bier wird wohl jedem deutschen Biertrinker die Haare zu Berge stehen lassen, gekühlt schmekt es nach garnichts und wenn es warm ist fällt es mir schwer Worte zu finden. Jedenfalls ist es trinkbar und die Drehzahl ist mit 4,2% ausreichend angesichts des Klimas.
Alles was man bisher als Minuspunkt werten könnte wird durch das Essen mehr als ausgeglichen. Nach Südeuropäischem Vorbild gab es erst Baguette und einen reichhaltigen Salatteller, Tomaten, Zwiebeln, Paprika rot und grün, Möhren das alles auf Salatbättern mit einer Salatsauce die außer Essig,Öl, Salz und Pfeffer noch etwas enthielt aber ich muß ja nicht alles wissen.
Für sich genommen wäre das schon genug gewesen aber es gab noch einen ganzen gebratenen Fisch mit Pommes Frites.
Tagsüber ist hier viel Verkehr, man ist zu Fuß unterwegs, mit Taxis, Transport commune (kleine Busse die fahren wenn sie voll sind) oder auch mit Pferdewagen. Ein buntes Bild daß man einfach gesehen haben muß.
Die meisten Fahrzeuge würden eine deutsche HU wohl nicht überstehen, einige wahrscheinlich sogar den Prüfer zum Herzinfarkt bringen. Alain sagt man regelt das mit ein paar Scheinen. Es gibt kaum Autos die nicht rundherum vebeult und verkratzt sind und große Sprünge in der Windschutzscheibe sind hier ganz normal. Hauptsache es bewegt sich noch, dann kann man auch fahren.
Abends wenn es dunkel und etwas kühler wird, wird es erst richtig lebendig. Die Bar unten war bis Mitternacht gut besucht und obwohl ich da schon längst im Bett lag war es doch gut zu hören, Schallisolation gibt es nicht.
Mit mir redet man Französisch, was auch abgesehen von gelegentlichen Nachfragen ganz gut klappt. Unter sich sprechen die Leute meist Wolof dann verstehe ich fast nichts aber das wegen zwölf Tagen zu lernen ist wohl doch zu viel Aufwand.
Bisher bin ich zufrieden auch wenn der Preis mir nicht ganz angemessen scheint. Im Vergleich zu Club Med zahle ich weniger als die Hälfte und ich bin nicht in einem eingezäunten Touristendorf sondern mittendrin, genau das was ich wollte.
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Es wird Zeit zum Mittagessen und danach werde ich duschen und mich bereit machen um Debora von Flugplatz abzuholen. Das ist der eigentliche Grund warum ich hier bin. Für Senegal brauchen wir beide kein Visum und es ist weit weg von Familie und Freunden die vielleicht sonst auch ihren Senf dazugeben würden. Hier sind wir allein und können uns ganz auf uns konzentrieren.
Aly wird mich zum Flughafen begleiten, er arbeitet im Hotel und kann sicher besser mit Taxifahrern verhandeln. Wir sind eine halbe Stunde zu früh dort und gehen erst einmal zur Information. Die Ankunft war für 16:40 h geplant aber jetzt ist es 20:55 h geworden. Wir haben also noch ein paar Stunden Zeit und ich stimme Aly zu daß es besser ist zu warten als zurück und wieder her zu fahren.
Weiter hinten ist ein Internet-Café und ich möchte sehen ob ich etwas interessantes im Postfach habe. 500 Franc bezahlen und nach ein paar minuten hat sich die Maschine tatsächlich bis ins Internet vorgearbeitet. www.t-online.de, anmelden, e-mail und gleich zwei mal "COUCOU" und erst ein paar minuten alt. Debora schreibt daß der Flug gestrichen ist und sie jetzt erst um 20:55 h ankommt.
Wenn wir schon Zeit haben wollen wir ein Stück gehen, für mich gibt es viel zu sehen. Aly sieht das jeden Tag aber er hat ein Gefühl dafür was mich interessiert.
Wir kommen an einer katholischen Schule vorbei, ich sage "besser katholisch als gar keine Schule", was Aly aber nicht so stehen läßt. Es gibt auch gemischte öffentliche Schulen und private, die aber nicht ganz billig sind.
Dann weiter unten das Meer. Jede Well mohlt ihr Bild in dr Sand - Janz ejal in welchem Land.
Sicher, es gibt auch an der Côte Azur Strandbars aber die hier sind anders und da drüben übt eine Animationsgruppe, Musik und Tanz am Strand ganz umsonst. Wir setzen uns auf die Steine und ich drehe mir eine Zigarette. Aly zeigt auf das Wasser und sagt daß man die Tiere essen kann, die haben auch einen Namen aber den habe ich vergessen. Sie sehen aus wie kleine Igel, man kann sie in der Mitte auseinander schneiden und das Innere essen.
Kaffee gibt es auch, direkt am Strand zubereitet, schmeckt ungewohnt nach Zimt aber gut.
Auf dem Rückweg kauft Aly Zigaretten, die gibt es hier überall. Eigentlich ist die ganze Stadt ein einziger Marktplatz, überall am Straßenrand stehen kleine Hütten, darin, davor und daneben findet man alles von Kartoffeln bis zum Videogerät.
Zurück am Flugplatz haben wir immernoch zwei Stunden Zeit. Wir gehen durch den Markt, Andenken aller Art, Kleidung, Bücher und sogar Zigarettentabak, einen Euro teurer als zu Hause.
Auf einigen Monitoren wird abwechselnd Abflug und Ankunft angezeigt, jetzt steht bei Abidjan - Dakar 20:40 h. Immerhin wenigstens ein paar Minuten eher.
Es wird schnell dunkel, deutlich schneller als in Europa. Endlos langsam vergeht die Zeit, wie immer wenn man wartet.
Dann kommen Reisende mit ihren Koffern aus der Abfertigungshalle aber noch nicht der richtige Flug. Noch eine Zigarette und endlose Minuten und dann endlich kommt auch Debora durch die Tür.
Die Begrüßung ist kurz aber herzlich, ich stelle ihr Aly vor und umgekehrt und wir gehen in Richtung Taxi. Aly findet ein Taxi das uns für 1500 Franc zum Hotel bringt.
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Während wir frühstücken kommt Aly, wir wollen heute nach Gorée. Von dort aus wurden früher Sklaven nach Amerika und in die Karibik verschickt.
Solange Aly Taxis anhält und verhandelt bleiben wir im Schatten. Ich falle hier auf wie die Sonne in der Nacht und wenn die Taxifahrer mich sehen machen sie einen viel zu hohen Preis. Aly hat es leichter wenn ich im Hintergrund bleibe.
Die Fahrt ist schon ein Abenteuer für sich. Es gibt Kreisverkehre die auch respektiert werden, ansonsten wird alles mit der Hupe geklärt. Überholt wird da wo Platz ist, rechts, links, mittendurch, alles egal und dank Hupe auch möglich.
Am Flughafen vorbei noch ein paar Kilometer dann sind wir am Hafen. Der Taxifahrer hat kein Kleingeld, sagt er, er hofft wohl daß er den Rest behalten kann aber Aly hatte schon damit gerechnet und bezahlt die zweitausend Franc.
Vielleicht war Sonntag nicht die beste Wahl für diesen Ausflug, vor der Kasse ist eine lange Schlange, also anstellen und warten. Als wir die Tickets haben gehen wir in die Wartehalle. Draußen legt gerade eine Fähre ab, das heißt auf die Nächste warten.
Als es dann soweit ist habe ich doch Zweifel ob das Ding wirklich die Strecke bis zur Insel schafft. Nach meinem Eindruck ist die Fähre deutlich älter als ich aber ich frage lieber nicht und außerdem, was sind schon fünfzig Jahre.
Wir legen ab und tatsächlich erreichen wir Gorée. Aly hat einen Führer gefunden der uns zu einem restaurierten Sklavenhaus führt. Auch die anderen Häuser direkt am Meer dienten dem Sklavenhandel, sind aber jetzt Wohnhäuser, Geschäfte oder Restaurants.
Sicher hat jeder schon etwas über Sklavenhandel gehöhrt, es gibt ja viele Dokumentationen aber wenn man hier ist in einem Raum in dem 15 oder mehr Menschen in Ketten und ohne jede Hygiene auf ihre Deportation warteten dann ist der Eindruck viel stärker. Wir sind zu viert hier drin und damit ist es schon eng genug.
Die "Tür ohne Rückkehr" führt direkt zum Meer, wer hier durchgetrieben wurde konnte sicher sein, sein Land, Freunde, Familie nie mehr wieder zu sehen. Von hier aus ging es auf ein Boot und dann zum Schiff auf dem die Sklaven so dicht gedrängt untergebracht waren, daß die wahrscheinliche Sterberate noch genug Profit erwarten ließ.
Der Rest der Tour war weniger bedrückend, eher das was es in vielen Touristenorten gibt, eine Kirche, mittelalterliche Befestugungen und eine riesige Kanone, die bis zu 14 km Reichweite gehabt haben soll.
Als besonderheit bleibt ein Denkmal, daß an das Ende des Sklavenhandels erinnert und die Künstler, hauptsächlich Maler, die überall ihre Werke ausstellen.
Zurück am Anlegeplatz haben wir noch Zeit und lassen uns von einem der Kellner die hier überall um Kundschaft werben zu einem Tisch bringen um etwas zu trinken.
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Am nächsten Tag ist ausruhen angesagt, das Mittagessen der Weg zum Strand sind anstrengend genug. Immerhin fast ein Kilometer. Überall sind Schilfdächer auf vier Stützen aufgereiht und sobald man sich darunter setzt kommt ein aufmerksamer Strandmattenverleiher und man kann für ein paar Franc eine Matte leihen.
Ab und zu muß man aufstehen und die Matte wieder in den Schatten ziehen. Alle paar Minuten kommt ein Händler vorbei der einem irgendwelches meist unnötiges Zeug andrehen will. Was soll ich mit einer Uhr? Wenn es hell wird ist es Zeit zum Frühstück zu gehen und wenn es dunkel wird gehen wir zurück zum Hotel, dazwischen ist die Uhrzeit egal.
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In der Nacht war ich ungefähr achtundzwanzig mal auf der Toilette, kaum zurück im Bett muß ich schon wieder gehen. Für Schlaf war da nicht viel Zeit.
Das Frühstück rutscht nicht so richtig runter und ich reduziere es auf die Hälfte aber Kaffee muß sein.
Danach habe ich fast den ganzen Tag verschlafen, daß ich zum Mittagessen aufgestanden bin hat sich nicht rentiert, ich hatte einfach keinen Appetit.
Gegen Abend entschloß ich mich es mit Pastis zu versuchen, hilft gegen alles egal ob es Übelkeit oder Liebeskummer ist. Für letzteres ist die nötige Dosis allerdings wesentlich höher, für mich reichte ein Glas und es ging mir besser.
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Der Bankomat sah nicht schlecht aus, eigentlich sogar vertrauenerweckend aber das kann täuschen. Nachdem die Karte erkannt war durfte ich wie gewohnt die PIN eingeben und danach kam ein leerer Bildschirm und kurz darauf wurde die Transaktion wegen Zeitüberschreitung abgebrochen.
Ein Wachmann der Bank hatte nach einigen Versuchen Mitleid und bat mich in die Bank zu kommen. Netter Versuch, aber auch die Dame am Schalter konnte nicht helfen und letztlich tauschte ich zweihundert Euro. Das sollte wohl reichen für ein paar Andenken und die Mitbringsel, zum Glück habe ich keine große Verwandtschaft.
Zum Markt nahmen wir wieder ein Taxi, das wir unterwegs anhalten um zu Tanken ist scheinbar normal.
Da wo die Stände dichter werden halten wir an und ich bezahle 1500 Franc, anscheinend Alys Standardpreis.
Aly führt uns zum Eingang eines größeren Gebäudes. Darin ist es nicht wirklich hell aber man kann sehen. Es gibt hier Räume von ca 10 bis 20 m² nicht größer und zum Gang hin offen, in denen jede Menge Waren gestapelt sind so daß es mir schwerfällt irgendwie eine Übersicht zu gewinnen. Um so weiter man hineingeht um so übler riecht es.
Irgendwie hat Debora es doch geschafft ein weißes Top zu finden das ihrer Vorstellung entspricht. Wirklich bewundernswert.
Eigentlich wollte ich noch eine Mütze oder noch besser ein Barett aber bei dem Geruch war jedes bißchen Kauflust restlos verschwunden und ich war froh wieder draußen an der schwülwarmen Luft zu sein.
Zum Abendessen gab es Couscous, sieht aus wie alles was man so in der Küche findet hübsch hergerichtet und heiß gemacht. Es schmeckt auch sehr gut nur mit den orangen Pepperoni sollte man vorsichtig sein, die sind affengeilscharf und treiben sogar mir die Tränen in die Augen.
Der Senegalesische Rosé ist halbtrocken paßt sehr gut zum Essen, und mit 12% ist die Drehzahl auch ganz angenehm.
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In den letzten Tagen hat jemand mit dem Schaufellader den Müll auf einen Haufen zusammengeschoben, jetzt sieht es wesentlich besser aus.
Entlang der Straße sind einige Wagenladungen Hohlblocksteine deponiert worden, bald werden auch da kleine Geschäfte und Kaffeebuden sein.
Die ganze Stadt ist eine Baustelle, wo man hinkommt werden Straßen und Häuser gebaut und auch da auf den Baustellen wo es ein paar Quadratmeter Platz gibt breiten die Händler ihre Waren aus.
Was ich absolut nicht verstehe ist wie man mit ein paar dutzend Billiguhren aus Taiwan genug Umsatz macht um davon leben zu können, vor allem wenn ein paar Meter weiter jemand das gleiche Sortiment anbietet.
Andere Händler bieten Kleidung oder Lebensmittel, hauptsächlich Früchte an oder Schaumstoffmatratzen auf denen man nachts schön schwitzen kann. Na ja, das hält schlank ohne jede Anstrengung.
Es regnet, unten auf der Straße schwimmen plattgefahrene Plastikflaschen bis sie an irgendeinem Hindernis hängenbleiben. Kanalisation gibt es nicht also läuft das Wasser auf der Straße in Richtung Meer. Immerhin, auf der anderen Straßenseite steht eine Bautafel auf der kann man lesen das die Stadt Dakar hier eine Kanalisation baut.
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Wir sind unterwegs nach Bandia, das ist ein Reservat in dem man frei lebende Tiere sehen kann. Wenn man Glück hat, den Tieren ist es schließlich egal ob sich ein paar Menschen für sie interessieren.
In der Stadt ist viel Verkehr und es gibt kaum Wegweiser. Ich glaube die Taxifahrer haben einen Kompass im Kopf, anders ist es nicht zu erklären, daß sie ihr Ziel finden. Wo es Staus gibt wird links oder rechts daran vorbei gefahren oder man nimmt eine Parallelstraße, die zwar meistens nicht geteert ist aber frei. - Abgesehen von parkenden Autos. Dafür gibt es scheinbar auch keine Regeln. Meistens parkt man rechts, manchmal auch links oder auch mitten auf der Straße, man kann ja rechts und links vorbeifahren.
Zum Stadtrand hin sieht man auch etwas mehr grün, was nach Sand und Stein eine angenehme Abwechslung ist.
Die Straße wird breiter aber trotzdem haben wir einen Stau vor uns. Bab, unser Fahrer fährt rechts auf dem Grünstreifen weiter, wie man an den Spuren sieht ist er nicht der erste. Kurz darauf sehen Wir den Grund für den Stau, da vorne liegt ein umgekippter LKW auf der rechten Spur. Und wir sehen auch einen Polizisten der freundlich winkt und damit Bab zum anhalten auffordert.
Bab steigt aus und diskutiert mit dem Polizisten, Ali steigt aus und redet mit, ich steige aus und verstehe kein Wort.
Der Polizist hält noch ein Auto an und diskutiert auch mit diesem Fahrer.
Der Polizist rennt weg und hält einen Bus an der auf der Gegenfahrbahn am Stau vorbei fährt. Gleich stehen die Fahrer und der Polizist mit Ali da, alle reden und gestikulieren und ich verstehe noch immer nichts.
Ali kommt und erklärt mir das der Polizist keine Quittung für die Strafe ausstellen will.
Eine Zigarette später kommt ein zweiter Polizist, die Fahrer bekommen ihre Papiere zurück ohne etwas zu bezahlen und wir fahren weiter, auch der Bus auf der falschen Fahrbahn. - Afrika
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Es ist spät, ich war noch an der Bar auf einen Pastis. Debora schläft schon als ich ins Zimmer komme und ich gehe leise ins Bad um sie nicht zu wecken.
Als ich die Tür öffne sehe ich direkt in den Spiegel und - etwas stimmt nicht. Das ist mir den ganzen Tag nicht aufgefallen, nicht beim Frühstück, nicht auf dem Markt, nicht in der Bar.
Hm ja, das ist es: ich bin weiß. Nicht ganz, die Sonne hier hat mich ganz schön braun werden lassen aber das ist nichts im Vergleich zu den Leuten hier.
Doch es hat niemand gestört, niemand hat es mich spüren lassen oder gar etwas gesagt. Wäre nicht der Spiegel dann hätte ich nicht daran gedacht.
Als ich im Bett liege denke ich an zu Hause. Da gibt es Menschen die andere verachten oder hassen weil sie eine andere Hautfarbe haben oder nur einen anderen Glauben. Hier gibt es auch Moslems, Christen, Atheisten und alle stehen zusammen an der Bar, ich auch, so weiß wie ich bin, es ist einfach normal.
Max, unser Führer auf Goré, hatte einmal gefragt wie es kommt, daß ich französisch spreche, ob nicht Deutsche und Franzosen wegen dem Krieg noch Probleme miteinander hätten. "Das würde ich nicht so sagen" habe ich geantwortet. "Der Krieg war vor mehr als sechzig Jahren und Menschen die das erlebt haben werden immer weniger. Ich bin einmal einem Franzosen begegnet der als junger Mann im Krieg gegen die Deutschen war aber er hat verstanden, daß er damals vielleicht meinen Großvater gesehen hat aber sicher nicht mich. Wenig später tranken wir Pastis, der Mann der mein Land befreit hat und ich der damals noch garnicht auf der Welt war" "Ja" sagte Max "Du hast recht, das leben geht weiter und jetzt bist Du hier und wir reden. Wir sollten das sehen was gut ist"
Ich bin also weiß! Na und?
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Ab 08:00 Uhr gibt es Frühstück, so steht es an der Tür. Aber hier ist Afrika und die Stühle stehen noch auf den Tischen obwohl es 08:30 Uhr ist. Ich will noch etwas vor die Tür gehen als Alain mir begegnet "Bonjour, ca va?" "Bonjour, oui ca va, merci. Je voudrais dejeuner, s'il vous plaît." Ich möchte gern frühstücken - aber hier gehen die Uhren anders, wenn es denn überhaupt eine Uhr gibt.
Ich setze mich draußen auf die niedrige Mauer und drehe mir eine Zigarette. Debora ist nun schon zu Hause, wahrscheinlich ist es das was mir die ganze Welt grau erscheinen läßt.
Nach einer Weile kommt das Mädchen aus der Tür und geht ein paar Meter weiter in den Laden, kurz darauf kommt sie mit einem Baguette zurück.
Ich weiß daß das mein Frühstück wird aber ich lasse mir Zeit, es wird noch ein paar Minuten dauern.
Als ich hineinkomme stehen die Stühle immernoch auf den Tischen, ich nehme zwei Stühle herunter und setze mich.
Tasse, Nescafe, Marmelade, Käse und eine Kanne heißes Wasser kommen. Das Brot wird sie schon noch bringen denke ich und fange scon einmal mit dem Kaffee an. Pulver in die Tasse, Wasser dazu, umrühren und fertig. Und das Brot?
Ich stehe auf und mache einen Schritt in Richtung Bar und, na ja, ich dachte es mir: Da sitzt sie mit Kaffee und Brot.
Sie schaut auf und ich frage ob ich auch etwas Brot haben kann. Ich konnte nicht erkennen ob sie rot wurde aber ich habe vorher nocht nicht gewußt, daß sie so schnell laufen kann und schon kam sie mit einem Korb Brot und entschuldigte sich gleich mehrmals.
Auf die Idee auch die anderen zwei Stühle von meinem Tisch zu nehmen kam sie nicht, wie könnte man das erwarten. Hier ist eben Afrika und nicht "Hotel CopyEuropa".
Es ist anders, vieles was in Europa selbstverständlich ist gibt es einfach nicht, muß man extra bestellen - und doch - ich liebe es!
______________________________
So etwa 09:00 oder 10:00 Uhr wollte Aly kommen. Als es 10:30 Uhr ist und Aly noch nicht da gehe ich auf mein Zimmer und packe.
Am Mittag bringe ich meine Tasche nach unten und gehe ins Büro zu Alain um noch den Rest abzurechnen. Danach gehen wir in den Gastraum wo Alain meine Tasche sieht. Er will es nicht akzeptieren, daß ich schon gepackt habe und erklärt mir, daß ich auf dem Zimmer bleiben kann bis ich zum Flughafen muß. Saubermachen kann das Mädchen später noch. Es bleibt mir nichts übrig als ihm zuzustimmen denn während er noch sprach hatte er schon meine Tasche die Treppe hochgetragen.
Einmal oben erkläre ich ihm noch einige Kleinigkeiten, die sicher manchen Touristen stören würden. Als positive Kritik natürlich und so versteht er es auch.
Es wird Zeit zum Mittagessen, das heute typisch afrikanisch werden soll. Wie hieß das gleich, wir haben gestern abend einiges geredet aber das war vor den sieben Bier und dem Pastis. Ist auch egal jedenfalls bestand es hauptsächlich aus Hirse mit einer Sauce in der auch einiges von den affengeilscharfen orangen Pepperoni verarbeitet war. Obendrauf lagen zwei Stücke Fleisch, ich glaube es war Ziege und diverses Gemüse.
Beim Essen wurde es erst einmal heiß und brannte im Mund, dagegen ist selbstgebrannter rumänischer Schnaps nichts. Aber nicht aufgeben, das Brennen läßt schnell nach und dann schmeckt es richtig gut. Trotzdem schaffe ich nicht mehr als die Hälfte, die Portion war wieder einmal für eine ganze Familie ausreichend.
Dann kommt auch Aly, er war vormittags schon einmal da aber wohl etwas später als geplant. Es ist noch Zeit und wir gehen zu ihm wo ich seine Familie kennenlernen soll. Ich bin sehr froh darüber und ich weiß, daß das nicht selbstverständlich ist.
Wir gehen über die Fläche wo vor ein paar Tagen noch alles voll Müll war und Aly zeigt auf den ersten Stock über der Bäckerei, da ist es.
Irgendwann war das sicher ein sehr schönes Haus, jetzt braucht man viel Phantasie um sich das vorzustellen. Stellenweise ist noch etwas Farbe an den Wänden im Flur und natürlich funktioniert die Lampe im Treppenhaus nicht.
Oben hinter der Tür ist ein großer Raum der ohne Tür oder Fenster direkt in den Balkon übergeht. Rechts ist ein Zimmer und links noch drei. Aly's Frau kommt und er stellt uns vor.
Früher einmal war das eine Wohnung aber jetzt werden die Zimmer einzeln vermietet, mehr als ein Zimmer kann sich eine Familie nicht leisten.
Aly, seine Frau und drei Kinder leben also in einem Zimmer, es gibt ein goßes und ein kleines Bett, einen Schrank und wo an den Wänden noch Platz ist stehen Kleinmöbel. Eine Stereoanlage, ziemlich abgenutzt aber immerhin mit CD. Das Zimmer ist etwa so groß wie mein Hotelzimmer aber es wirkt eng weil einiges mehr darin ist. Bilder die man nicht vergißt.
Wir machen noch ein paar Fotos, zu Hause werde ich sie ausdrucken und herschicken zusammen mit einer Kopie der CD die Aly mir geschenkt hat.
Afrika von innen. Es ist anders als ich es erwartet hatte, anders als das was man im Fernsehen sieht oder in Büchern lesen kann und ich liebe es.
©2010 Juergen Dingelstaedt<photo>

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Que chacun fasse un pas vers la Paix. (Alpha Blondy) Möge jeder einen Schritt in Richtung Frieden gehen.

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BeitragVerfasst am: 02.12.2011 20:40    Titel: Re:


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